Influencer – Hype oder Marschrichtung?

Influencer sind bessere Popstars!

Viele von den momentan gehypten „Stars des Social Media“ sind in den Augen einiger Fachleute nicht mehr als mediale Eintagsfliegen. Anna Fastabend hat hierzu einen wunderbaren Artikel auf ZEITONLINE veröffentlicht. Sehr lesenswert! Gut, nun dauert ein Tag bei einigen von den selbsternannten Schmink- und Sport-Beeinflussern schon eine ganze Weile. Aber hat der Beruf, sofern man das regelmäßige Zurschaustellen seiner eigenen kleinen Produkt- und Meinungswelt überhaupt als Beruf bezeichnen kann, überhaupt eine Zukunft?

Zum Ende der 1990er Jahre hatten einige Unternehmen gute Ideen, das bis dato unbekannte und unerschlossene Internet zu erschließen.Vor allem Software-Pioniere haben viel Geld für ihre Projekte von Leuten bekommen, die fest an den Erfolg einiger guter und einiger wirrer Ideen glaubten. Und wenn man dann noch an die Börse ging (der Neue Markt war praktisch Pflichtprogramm, und ging letztlich mit Pauken und Trompeten unter), dann war man wer – so kurz vor dem Millennium. Branchenkenner hatten schon damals unschöne Vorahnungen – das Wörtchen „Hype“ gewann in Analystenkreisen dermaßen an Bedeutung…aber wer glaubt schon den Unken?

Fakt ist – und jetzt komme ich schon zur Parallele mit unseren heutigen Youtube-, Instagram- und Twitter-Stars: viel bleibt nicht übrig, wenn die große Blase platzt.

Fanbases für Fantasiefiguren

Derzeit sind es Namen wie Dagi Bee (bürgerlich Dagmara Nicole Ochmanczyk), Caroline Daur oder LeFloid (der im wahren Leben auf den Namen Florian Mundt hört), die bei unseren Kindern und ewig junggebliebenen Social Media-Konsumenten ganz hoch im Kurs stehen. Und zwar sehr hoch. „Dagi, du bist voll mein Vorbild“ oder „Caro ist die Style-Göttin, ich liebe dich“ – das sind Kommentare, die diese beiden Damen als Resonanz auf Postings bekommen. Die Fans würden sich, so hat es manchmal den Anschein, liebend gerne in die Luft verwandeln, die Dagmar Nicole Ochmanczyk oder Caroline Daur atmen. Erinnert mich irgendwie an den ollen Schlager vom ollen Barden Bata Illic „Ich möcht der Knopf an deiner Bluse sein„.

Dem Betrachter aus gebührlicher Distanz (also mir, weil ich mit den Genannten jeweils aber so gar nichts anfangen kann) stellen sich bei all dem bunten Bonbon-Spaß und Filmchendreh einige Fragen. Antworten darauf werden entweder tunlichst vermieden von den Protagonisten oder abgeschwächt durch Media-Profis widergegeben. Aber es gibt auch sehr aufschlussreiche Einblicke in diese Welt, die auch eine wunderbare Dokumentation des ZDF aufzeigt – abrufbar noch via Mediathek: „Generation Like – Teenager in Sozialen Netzwerken„. Ich empfehle dringend, diesen 3/4stündigen Beitrag anzuschauen, um einen kleinen Einblick in diese oft seltsame, skurrile moderne „Jugend“ zu bekommen.

Social Media frisst seine Kinder?

Zurück zu den eigentlichen Fragen: Was macht so ein „Influencer“, wenn er älter wird? Eine abgebrochene Lehre zur Industriekauffrau ist angesichts der heutigen angespannten Arbeitsmarktlage sicher nichts, womit man glänzen kann, wenn der Lack im Gesicht stumpf geworden ist. Wie bestreiten die Protagonisten ihr Leben, wenn die jugendlichen Fans erwachsen geworden sind wie sie selbst und kein Interesse mehr an den einstigen Idolen haben? Was ist, wenn die Sponsoren nicht mehr so spendabel sind wie zur Blütezeit? Denn eines ist ganz logisch: bebe ® young care oder Primitive ® Skate Clothing wird sich irgendwann nicht mehr mit den heutigen „Stars“ umgeben, wenn diese älter und „uncool“ geworden sind. Was dann?

Ein probates Mittel gegen den „sozialen Abstieg“ stellt offensichtlich oder auch naheliegend die Diversifikation seines Tuns dar. Nicht mehr nur jeden Tag ein Filmchen zu neuer Puderpampe im Gesicht oder dem ultimativen Ausgehdress – nein, es darf nun auch mal etwas intimer werden. Filmtitel wie „Ich streite mich mit meiner besten Freundin“ oder „Mein Urlaub in Miami gerät zum Desaster“ machen die Heerschar von Followern und Fans ebenso neugierig wie „Ich probiere zum ersten Mal Nutella auf Eis“ oder „Der ultimative Mami-Prank am Morgen“. Damit gewähren Star und Starine einen sowas von interessanten Einblick in ihr Leben ausserhalb der 10 Zoll Youtube-Fensterchen. Und das kommt an. Denn was normal denkende Menschen nicht für möglich halten: „Ich kämme meine Haare 10 Minuten live“ bekommt ebenso Likes wie auch „Ich kurz nach dem Aufstehen im Bad“. Glaubst du nicht? Dann geh auf Youtube und staune…Also ist diese Einflussnahme wirklich eine Marschrichtung fragwürdiger „Hörigkeit“ oder zeitlich festgelegte Schwärmerei?

Augen auf, Kinder!

Wir haben unseren Kindern immer wieder versucht, das Leben früh zu erklären und sie vor Widrigkeiten und Unsinn zu bewahren. Hätte aber jemals jemand für möglich gehalten, dass Influencer dermaßen „Einfluss“ auf das Tun und Denken unserer Kleinen nehmen? Werden sich die Fanbases der heutigen Youtube-Instagram-Facebook-Idole irgendwann einmal an den Kopf fassen und sagen „Meine Güte, war ich labil“? Ich weiß es nicht. Es bleibt aber zu hoffen, dass die Liker der Influencer, wenn sie dann selbst Kinder in die Welt setzen, etwas mehr darauf achten, wen die Kleinen anbeten.

Und welchen Einfluß Influencer aus der Wirtschaft und den Medien haben können, das beschreibe ich vielleicht demnächst an dieser Stelle. Bis dahin empfehle ich den äußerst lesenswerten Blogbeitrag auf der vibrio dampflog zum Thema Beziehungsmanagement vor und in 20 Jahren: Laufen Influencer Journalisten den Rang ab?

Ein Gedanke zu “Influencer – Hype oder Marschrichtung?

  1. […] Kann man denn überhaupt pauschal definieren, wer zum E-Piloten geeignet ist und wer nicht? Ich denke nein! Nehmen wir exemplarisch diesen Beitrag zur Hand, den das T-Online-Portal am 2. April 2018 veröffentlich hat. Generell gibt es an diesem Text nichts auszusetzen. Allerdings zeigt sich schon unter der Zwischenüberschrift „Wer genug Geld ausgeben kann“ deutlich, dass die Redaktion offensichtlich ganz auf Forenbeiträge, Warentests (von denen wir nicht erst seit gestern wissen, dass sie gerne mal von Herstellern lanciert oder gar gesponsert werden) oder Aussagen jener „Profis“ zurückgreift, die auf der Gehaltsliste bestimmter Interessengruppen stehen oder den Influencer mimen. […]

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