DSGVO – Fluch oder Segen?

Um eines gleich vorwegzunehmen: Ich bin nicht gegen das, was da aus Brüssel kommt. Mitunter haben die EU-Parlamentsabgeordneten schon sehr sinnvolle Dinge ins Rollen gebracht:

eCall: Jedes Jahr kommen sterben europaweit bis zu 30.000 Menschen durch Verkehrsunfälle. Die EU-Gesetzesgebung schreibt nun Autoherstellern vor, ab sofort in Neuwagen Notrufgeräte zu installieren, die im „Unfall“ automatisch Rettungsdienste alarmieren.

Verbraucherschutz bei Urlaubsreisen: Internet-Buchungen dürfen von Portalen ab sofort nicht mehr so verschachtelt dargestellt werden, dass im Falle einer Order für den Flug nicht per Link mit anderen Angeboten wie Mietautos oder Hotels verknüpft wird, und über Gesamtkosten meist erst am Ende informiert wird.

Deckelung von Kreditkarten- und EC-Karten-Gebühren: Banken verbargen ihre Gebühren offensichtlich so häufig, dass die Damen und Herren in Brüssel mit einem neuen Gesetz die Verbraucher bei Einkäufen mit Kreditkarten unterstützten. Transparenz über die Höhe der Gebühren, die ein Einkauf per Plastikgeld mit sich bringt ist das Resultat.

Es gibt so viele tolle Entscheidungen aus der Stadt des Atomiums (an dieser Stelle folgt leider KEIN Bild des imposanten Bauwerks in Brüssel, da es selbst mit lizenzfreien Fotos zu erheblichen Problemen mit den Erben des ehrenwerten André Waterkeyn kommen kann).

Aber auch so wissen wir sicher alle, was da aus der belgischen Stadt bereits an feinsinnigen Ideen kam: Schutz vor zu lauten Dudelsäcken, zu krummen Gurken oder vor selbstgebackenen Kuchen – diese können ab sofort Eltern aber sowas von in die Bredouille bringen.

Genug geschwafelt – jetzt kommen wir mal auf den Punkt: DSGVO. Korrekt ausgeschrieben handelt es sich dabei um die EU-Datenschutz-Grundverordnung, mit der man vorhat(te), den Verbraucher besser zu schützen. Vor was? Vor wem? Na jedenfalls nicht vor sich selbst, denn hier fängt ja in aller Regel das Unglück an – Stichwort „ungebremst mit seiner E-Mailadresse für jeden Mist anmelden“. Dazu muss man sagen, dass sich der Schutz auf die sichere Speicherung, den verantwortungsvollen Umgang und den Schutz vor Dritten aller personenbezogener Daten bezieht, zu dem Unternehmen und „Adressen-Erheber“ verpflichtet sind. Neu ist auch (angeblich) hinzugekommen, dass man als verbraucher jederzeit Einblick in diese „erhobenen Daten“ über einen selbst bekommen muss. Gabs schon, aber egal.

Jedenfalls spielt damit zusammen, dass Hunderte, ach was, Tausende – nein – Millionen von E-Mail-Adressen nicht mehr ohne weiteres benutzt werden dürfen, um den Kunden mit lustigen und inhaltsreichen Informationen zum Unternehmen/zur Institution zu versorgen: Newsletter. Man wundert sich daher nicht wirklich, dass es in der letzten Zeit eine regelrechte Schwemme an Nachrichten eintrudeln, die genau diesen Sachverhalt zum Inhalt haben. Ich wundere mich allerdings über einige Begleitumstände:

  • Ich werde von Unternehmen angemailt, mit denen ich sicher noch nie zu tun hatte. Wurde ich verkauft? Wurden Unternehmen verkauft an die, die mich nun anschreiben? Don’t know – werde aber vorsichtshalber peu á peu allem widersprechen.
  • Ich werde von Unternehmen angeschrieben, und zwar per Briefpost, dass es „…im Zuge der DSGVO neue AGB und Opt-in-Zwang für Newsletter…bla“ gibt. Hallo? Briefpost? Was ist mit Think before Print?
  • Ich lese ständig Klageschriften von Seiten der Journalisten, die sich maßlos darüber ärgern, neben dem oben geschilderten Nachrichten-Wahnsinn auch noch von PR-Agenturen „belästigt“ zu werden, die als „Adressen-Erheber“ natürlich verpflichtet wurden, adäquat aufzuklären.

Man macht es also mal wieder keinem Recht. Ist oft so. Amüsant ist hingegen, was in den Sozialen Netzwerken dazu abgeht. Man suche beispielsweise bei Twitter nach dem Hashtag #DSGVO (oder wahlweise nach #DGSVO, denn diesen Vertipper leisten sich einige Leute, so dass das „falsche“ Kürzel in den letzten Wochen „trendete“.

Traurig hingegen ist ein „jusristisches Schlupfloch“, welches Unternehmen die Möglichkeit gibt, das nun vorgeschriebene Opt-in-Verfahren auszuhebeln, in dem in der Nachricht beispielsweise nicht steht „Durch Klick auf diesen Link bekommst du ab sofort meinen E-Müll zugeschickt“, sondern „Wenn Sie keinen E-Müll haben wollen, klicken Sie hier.“ Ist nicht ganz koscher, aber leider nicht verboten. Statt Zwangs-Opt-in also Zwangs-Opt-out.

Wie dem auch sei – es bleibt sicher spannend. Sowohl im Miteinander zwischen Kunden und Unternehmen, aber auch zwischen dem EU-Parlament und der Realität.

Gute Nacht.

 

 

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