Kundenbindung? Nicht die Bohne!

 

Um eines deutlich vorwegzunehmen: Ich bin kein Kaffee-Experte, ich möchte auch nie einer sein.

Aber wir besitzen einen seinerzeit recht kostspieligen Kaffeevollautomaten von Jura.

Unbenannt

Um diesem gerecht zu werden, sollte in den Bohnenbehälter auch möglichst guter Kaffee. Ich gestehe: anfänglich hatten wir uns bei Edeka, Rewe & Co. durchprobiert.

Aber so richtig lecker war das nie. Irgendwann in der Folgezeit heuerte ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber an, und dort genießt man bereits seit Jahren einen sehr guten Kaffee aus einer recht ungewöhnlichen Quelle: einen fair gehandelten Bio-Kaffee. Übrigens: Am Rande sei erwähnt, dass die Agentur bereits ihre eigenen, schlechten Erfahrungen zum Thema Kaffee machen musste. Der Leidensweg ist hier zu finden. Sehr lesenswert!

Wer suchet, der findet

Das gab mir den Antrieb, mich am Markt nach „für mich passende“ Bohnen umzusehen, und im Zuge einer sehr umfangreichen Recherche landete ich schließlich bei zwei Anbietern, die ob ihrer Produktauswahl mein Interesse weckten:

 

Im jeweiligen Shop bieten beide Unternehmen so genannte „Probierpakete“, von denen ich mir jeweils eines zuschicken ließ. Ich möchte gleich erwähnen: Wir sind letztlich wohl bei  einer Sorte des Münchener Caffé Fausto geblieben und haben eigeninitiativ schon zwei Mal nachbestellt.

Machen wir die Probe

Die Probierpakete enthalten jedenfalls jeweils 4 bzw. 5 Probierpäckchen unterschiedlicher Bohnensorten und -Mischungen. Gewählt wurden von mir Espresso-Sorten für Kaffeevollautomaten:

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So weit, so gut. Oben habe ich das Wörtchen „eigeninitiativ“ benutzt. Und das aus gutem Grund: Keines der beiden Unternehmen hat es bis heute geschafft, mich als Folge meiner Bestellungen irgendwie zu kontaktieren. Für jemanden, der im Bereich der PR und des Marketings arbeitet, ist das ein unverzeihlicher Fehler 🙂

Eine einzige E-Mail wäre ja schon ein guter Anfang gewesen, etwa: „Hallo Herr Smid, wir hoffen, Sie haben die Kaffee-Probe mit unserem Testpaket genossen. Wenn wir Ihnen darüber hinaus mit Rat oder Tat zur Verfügung stehen können, würde uns das sehr freuen.“ Oder so. Herrje, natürlich mag niemand Werbeflut, Spam und dröge Slogans. Aber hey – Ihr habt, wie man in der Branche so schön sagt, akquisitorisches Potenzial. Muss man Euch denn wirklich erklären, dass die Kundenbindung zu den wichtigsten Schritten gehört, um Business = Geld zu machen?

Im Ernst: Ich hätte mir wirklich gewünscht, wenn jemand aus dem Hause Fausto oder Langen auf mich zugekommen wäre; gerne per E-Mail, Brief, beigelegte Karte…oder wie auch immer. Ein Tipp à la „Wir empfehlen Ihnen zu Ihrer Wahl noch dies“ oder „Hat Ihnen ein Teil der gekauften Auswahl besonders zugesagt? Dann haben wir für Sie ein Angebot.“

Marketingmaßnahmen vs. Kundenverständnis

Aber nichts kam. Kein Kaufanreiz, kein Folgeangebot, nichts. Schade. Gut bedient fühle ich mich so nicht. Gerne hätte ich vielleicht die eine oder andere Empfehlung bekommen. Vielleicht sogar eine Art Special nach dem Motto: „Wenn Sie jetzt eine der getesteten Sorten als 1000 g-Paket bestellen, bekommen Sie auf jedes weitere Päckchen Kaffee 5 Prozent Treuerabatt.“ Reicht es diesen Händlern womöglich, die paar Einzel-Probepakete zu verkaufen? Wollen die am Ende des Tages gar keine neuen Stammkunden? Man weiß es nicht.

Übrigens: zusammen mit meiner Frau habe ich eine Art Ranking-Tabelle im Rahmen der Probieraktion verfasst. Darin haben wir für uns selbst jeder der insgesamt sieben Proben eine Note für

  • Crema
  • Geschmack
  • Stärke

gegeben. Ziel war es, die bestplatzierte Bohne zu unserem Liebling zu küren. Wie (früher?) in der „TV Hören und Sehen“ die Maus versteckt war, findet man in den Bildern oben auch unseren Favoriten. Vielleicht wären die Probepakete auch ein Anlass für die Unternehmen, derlei Testsieger abzufragen, um selbst einen Favoriten auszumachen?!

In diesem Sinne, liebe Faustos und Langens: Es muss kein Erlebnismanagement sein, es muss auch keine hochtrabende Marketingstrategie sein, die von einem hochbezahlten Marketingmanager konzipiert und implementiert wird. Sie müssen auch nicht die gesamte Customer Journey mit mir durchlaufen, um meine Kaufgewohnheiten oder weitere Interessen auszuleuchten. Ein einfaches „Wir bleiben in Kontakt“ reicht. Schreiben Sie mich an, fragen Sie mich aus. Bieten Sie mir eine Aktion oder sagen Sie schlicht Danke für den Kauf. Aber ignorieren Sie mich nicht. Es sei denn, mehr Umsatz interessiert Sie nicht die Bohne. Wenn doch, berate ich Sie auch gerne 😉

 

Nachtrag vom 27. Juni 2016:
Just heute kommt per E-Mail so eine Art „Nachfassen“ vom Röster Langen-Kaffee. Ob ich denn zufrieden war und ob ich denn 10 Prozent auf die nächste Lieferung möchte… Nachtigall, ich höre dich da schon trampeln. Aber natürlich glauben wir jetzt mal, dass diese sehr verspätete Rückmeldung geplante Strategie ist und NICHT initiiert durch einen kleinen, unbedeutenden Blogpost eines unbedeutenden Hobbyschreibers 😉

 

Nachtrag vom 12. Februar 2017:
„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?!“

Diese Weisheit hätte ich schon viel früher in Betracht ziehen sollen, fuhr ich doch bereits etliche Male am nahegelegenen Fair Trade-Markt vorbei: In Haimhausen-Amperpettenbach ist eines der gutsortiertesten FAIR Handelshäuser beheimatet, das ich kenne. Und dort arbeitet ein sehr lieber, guter Bekannter. Und eben dieser empfahl mit während einer der unzähligen Unterhaltungen über guten, schlechten, günstigen und teuren Kaffees, doch einmal bei „ihm“ im Laden vorbeizukommen.

Gesagt, getan: An einem sonnigen Samstagvormittag lies ich mich vor Ort von den verschiedensten Düften und Geschmäckern bezaubern. Anzumerken sei, dass es neben Kaffees und Tees aus aller Welt (natürlich alle ehrlich fair gehandelt – auch Weine, Schokoladen, Gebrauchsgegenstände, Schmuck, Instrumente, Textilien und noch so vieles mehr gibt.

Zurück zu den Kaffees: Nach einer Art Test-Verkostung entschieden wir uns für eine „Alltags-Kaffee“, der zunächst im Laden und dann zuhause auf große Zustimmung stieß:

 

 

Ein Bio Espresso aus dem GEPA-Sortiment. Ein Kaffee, der im „regulären Handel“ und geschmacklich schon seinesgleichen sucht. Ich mag hier keinen großartigen Erfahrungs- und Geschmacksbericht niederschreiben. Aber eine solche Crema, dieser großartige Geschmack – rund, massiv – ohne dabei bitter oder zu hart zu schmecken, ein tolles Geschmackserlebnis in Form von Espresso, Cappuccino oder „Standard“.

Aber damit nicht genug. Im Portfolio des Handelshauses stand ein Bio Kaffee aus Mexiko zunächst im Interesse, dann im heimischen Regal. Ebenfalls von GEPA vertrieben, überzeugt diese Bohne durch ihre einzigartige Duft- und Geschmacksentfaltung und den nussig-schokoladigen „Nachgeschmack“:

 

 

Den Abschluss der Einkaufstour bereitete uns der Erwerb einer besonderen Bohne für den besonderen Moment. Es ist ein Wild Kaffee aus der Kaffa-Provinz in Äthiopien.

 

 

Dieser Fair Trade Kaffee übertrifft geschmacklich nahezu alle Arabica-Bohnen, die ich je durch meine Jura jagen durfte. Wer einen außergewöhnlichen Espresso am Abend genießen möchte, der sollte sich diese Bohne von Kaffaland unbedingt ins Haus holen. Um eines klarzustellen: Ich bin kein eiserner Verfechter fair gehandelter Waren, da ich in manchen Fällen sogar Zweifel ob des Ausgleichs habe. Aber wo es geht, unterstütze ich dieses System/Prinzip. Gerne!

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