Tschüss und Servus, XING

Warum ich nach vielen Jahren dem sozialen Netzwerk XING den Rücken kehre

Klickt man im Browser auf meinen ehemaligen Profillink bei Xing, erscheint eine kindlich anmutende Grafik. Diese Grafik soll mittels stilisiertem Ventilator und „fliegenden“ Papierseiten andeuten, dass mein Profil „…wie vom Winde verweht…“ sei – steht auch so darunter.

Allein diese grafische Alternativ-Darstellung des nicht weiter existenten Nutzerprofils bekräftigt mich in meiner Entscheidung, diesem nervenden Netzwerk endlich den Rücken gekehrt zu haben. Meine Kontakte, die sich im Laufe vieler Jahre dort angesammelt haben, wissen entweder eh Bescheid, dass ich nurmehr bei Linkedin oder Twitter zu finden bin, oder sie werden das eh nicht merken. Warum? Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • sie nutzen Xing selbst nicht mehr (regelmäßig)
  • es waren eher typische „ich stelle mal ne Kontaktanfrage ins Blaue“-Kontakte
  • es waren „diese Recruiter“
  • es waren diese ehemaligen Kollegen, die dich zwar mal gesucht und angepingt haben, danach aber nie wieder von sich hören ließen 😉
  • es sind die Leute, mit denen ich noch regelmäßig Kontakt habe und denen ich die Profillöschung persönlich mitteile.

Wie auch immer – jetzt mal zu den Beweggründen.

Viel Geld für – ja für was eigentlich?

Für die rund 100 Euro im Jahr, die ein „Premium-Mitglied“ bei Xing bezahlt, hätte ich zurückblickend einige andere, für mich eventuell besser geeignete berufsfördernde Dinge kaufen können. Bücher, Druckertoner, Grundgebühr Internet oder was auch immer. Aber ich bezahlte dieses Geld, weil mich die mutmaßlichen „Unterschiede“ zur Basisversion mal überzeugten. Wovon? Ich weiß es wirklich nicht mehr.

Erste Zweifel kamen mir aber schon ziemlich am Anfang, als mich wildfremde Menschen anschrieben, ob ich nicht in deren Gruppen kommen wolle: Abenteuer-Motorradfans, kirchliche!! Einrichtungen – und ja, sogar eine Interessengruppe für vegane Lebensalternnativen waren dabei. Ersteres konnte ich noch einigermaßen nachvollziehen, weil ich unter der Rubrik Hobbies mein Motorrad erwähnte.

Aber all die anderen sinnlosen, nervenden und völlig realitätsfremden Anfragen gingen mir dann so gegen den Strich, dass ich mir erlaubte, bei Xing nachzufragen, ob man sowas nicht unterbinden könne. Die gleichermaßen lapidare wie unbefriedigende Antwort lautete sinngemäß: „Nö, unter anderem dafür ist Xing ja da!“.

Neustart, alles auf Anfang

Ok, also Premium mit natürlich langer, weil verpennter, Kündigungsfrist gekündigt und die Basisversion jahrelang einfach weiter so mitlaufen lassen – ohne große Pflege, ohne große Nutzung. Bis, ja bis ich zu (m)einem Arbeitgeber kam, der mich u.a. mit der Pflege von Kundenaccounts und auch Nutzergruppen bei Xing betraute – da musste ich (leider) Premium wieder aktivieren. Allerdings, so laß ich in einem Forum, wären die Hürden für das unaufgeforderte Zumüllen mit Gruppeninfos und Einladungen nun viel höher und man hätte nun eher Ruhe vor diesen selbsternannten „Thought leadern“ bzw. „Querdenkern“, die einem immer wieder etwas aufschwatzen wollen.

Quoten erfüllen – Leute belästigen

Wer nun in regelmäßigen Abständen von sich hören bzw. lesen ließen, waren die Recruiter, Headhunter, Personalberater und wie sie sich nicht alle nennen: Trotz mehrerer Hinweise im Profil, dass man NICHT an einem Jobwechsel interessiert sei, hatte ich pro Woche mindestens einen dieser Herrschaften im Posteingang. Teilweise mit „passenden“, größtenteils aber mit völlig absurden und branchenfremden Jobangeboten im Gepäck.

Dagegen konnte (und wollte) ich mich auch gar nicht mehr großartig sperren und verwehren, denn hey – viele Unternehmen und auch Nutzer sehen Xing ja als eine Art Karriere-Portal. Selbst schuld, wenn man da Mitglied wird. Und zahlt. Und die armen Kerle müssen ja irgendwie ihre Quoten erfüllen (denn nicht jeder Personaler bekommt nur dann Honorar, wenn Arbeitsvertrag unter Dach und Fach).

Ich Chef, du nix. Höret den Fachmann!

Was letztlich in meinen Augen die schleichende Scheidung beschleunigt hat, war die Entwicklung von Xing gerade in den letzten drei/vier Jahren: immer mehr Möchtegern-Spezialisten und „Gurus“ (meine Güte – wie inflationär dieses Wort mittlerweile verwendet wird – erschreckend) durften ihre geistigen Ergüsse in Form von Xing Branchen-News, GroupNews oder wie auch immer diese Eigenwerbung und -Vermarktung genannt wurde, verbreiten.

Die Timeline bzw. Startseite war ständig voll mit für mich irrelevanten!! Neuigkeiten (Filter? Keine Chance). Und auch die ständigen Informationen zu „potenziellen Jobs, die mir gefallen könnten“ nervten doch mit der Zeit sehr. Fun Fact: Eine Anfrage an den Xing-Support, warum mir Xing immer und immer wieder Hinweise auf „passende Jobs in meiner Nähe“ zuspielt, obwohl ich dies nicht wünsche, wurde ebenfalls sinngemäß mit der Standard-Antwort begründet (s.o.): „Dafür ist Xing ja da!“.

Nö, sehe ich anders, aber ok. Zuguterletzt ging mir die Ankündigung, dass Xing das vertraute „Du“ einführte, sehr gegen den Strich. Nicht weil ich etwas Besseres bin, nicht weil ich „zu senior“ bin – nein, weil ich mir aussuche, wen ich duze. Und weil ich mir aussuche, von wem ich freundschaftlich gedutzt werden möchte. Ich bin zudem bei weitem nicht der einzige (Ex-)Nutzer, der das so sieht. Gut erklärt, warum man im Business nicht zwanghaft dutzen muss, hat das bereits 2017 Filomena Rios von Neuschäfer Elektronik (ausgerechnet auf Xing).

Der langen Rede kurzer Sinn: Die Freundschaft zu Xing ist endgültig dahin. Ich kann nicht sagen, dass es schön war mit diesem Portal. Eher so eine Zwangsgemeinschaft, die nun ihr Ende fand. So long und gute Nacht.

 

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